Song des Tages: Feel Good (TV Off)
Mein Affäre die Glotze ist tot
sie fiel gestern nach dem Abendbrot
statt ihrer leuchtet nun ein Baum
reduzierter geht's wohl kaum
Nach nun schon dreimonatiger TV-Abstinez habe ich den Fernseher gestern Abend ausquartiert, um mehr Platz im Raum zu schaffen. Ich habe die Dates mit dem flimmernden Zerstreuungsgarant bisher ab und an vermisst, ganz besonders an verkaterten Sonntagen (also an Sonntagen, um mal weniger pleonastisch zu schreiben) und werde bestimmt auch in Zukunft noch öfter den Wunsch verspüren, einen schönen Film zu sehen.
Ziemlich genossen habe ich dagegen die plötzlich verfügbare freie Zeit: Sehr viel gelesen, noch mehr Musik gehört, internetsüchtig geworden. Ab und an bin ich auch ins Kino gegangen und fühlte mich wie ein nur leidlich wohlgestimmter Junkie, der mit etwas Methadon den Schmerz bis zu den nächsten Entzugserscheinungen (sagt man noch Turkey?) lindern kann.
Gerade Freunde, die wissen, dass eine Staffel 24 und eine lange Nacht für mich ein ähnlich perfektes Paar wie Luke'n'Lorelai waren, werden vielleicht fragen: Warum überhaupt TV-Askese?
Vor drei Monaten habe ich mir geschworen, erst dann wieder Fernsehen zu schauen, wenn ich den Theorieteil der Diplomarbeit überarbeitet und meinem Dozenten vorgelegt habe. Das sollte damals eine knappe Woche dauern. Leider wurde ich kurze Zeit nach diesem Versprechen lange krank und nun, wieder gesund, muss ich mich primär um den empirischen Teil der Arbeit kümmern, so dass ich keine Ahnung habe, wann ich endlich die theoretische Einleitung fertig stelle.
Aber Schwur ist Schwur*, da bin ich überzeugter als die Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou zusammen.
Den beiden - und allen anderen TV-Gestalten - darf ich also vorerst nicht zuschauen, dann kann das Gerät auch gleich raus.
Das dort, wo ich ihn gestern hab weggetragen, nun graue Mauern ragen, wie Alexandra einst ungefähr sang, hat mich jedoch ein wenig gestört. Nachdem ich heute im Büro kurz davor stand, eine auf Leinwand gedruckte Tokio-Hotel-Fotographie mitzunehmen, um sie ironisch anstelle der Glotze zu platzieren, habe ich eben mit dem Öllicht experimentiert, dass ich Anfang des Jahres für viel zu viel Geld in den USA bestellt hatte.
Der Rotstich auf dem Foto rührt übrigens von meinem gut durchbluteten Linke-Maus-Taste-Klick-Finger, mit dem ich den Blitz abgedeckt habe, um das Bild nicht zu hell abzulichten. Alter Fotographentrick! Eventuell.
* "In der Literatur ist ein abgelegter Schwur oft das auslösende Motiv, das Helden auf einen schweren oder langen Weg schickt", sagt Wikipedia, die olle, sarkastische Dame.

Prima Song übrigens für technisch eher dürftige DJs wie mich. Am Anfang kein Bass, am Ende kein Bass. Da sollte man schon einen halbwegs guten Übergang hinkriegen.



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